Christstollen & Weihnachtsstollen

Nun ist es wieder soweit. Die ersten Türen des Adventskalenders sind geöffnet. Die Adventszeit beginnt. Eine Zeit der Besinnung, der Andacht und des demütigen Einkehrens in freudiger Erwartung auf das nahende Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus. Die Adventszeit ist aber auch eng verbunden mit dem gemütlichen Schlendern über verschneite Weihnachtsmärkte in den Altstädten unserer Republik. Fester Bestandteil der Adventszeit ist neben Glühwein, Plätzchen und Grünkohl mit Kassler aber auch der berühmte Christstollen.

Weihnachtsstollen © Michael Röhrich - Fotolia.comJeder kennt ihn; fast ein jeder ist bereits in die Genuß gekommen ein Stück Christstollen zu verzehren. Das schöne am Christstollen ist, dass er genau wie der Glühwein oder die Weihnachtsplätzchen zu den "Session-Leckereien" gehört. So hat man das ganze Jahr über genügend Zeit sich auf die Adventszeit und die mit ihr verbundenen Köstlichkeiten für Zunge und Gaumen zu freuen. Doch was genau ist ein Christstollen? Warum sieht er so kastenförmig aus? Warum heißt der "Christstollen" eigentlich "Christstollen"? Interessanter Weise zählen laut Literatur die Christstollen zu den Gebäckarten mit der längsten Tradition in Deutschland; seit 1329. Die kastenartige Form des bis heute nahezu unveränderten Christstollens soll an das in Windeln gewickelte Jesuskind erinnern.


Geschichte des Christstollen

Die Anfänge des Christstollens sind aus heutiger Perspektive hochinteressant. Selbst der damalige Papst hat mehr oder weniger an der Rezeptur des Christstollens mitgewirkt. Die Ursache dafür liegt vor allem in der Tatsache begründet, dass der eigentliche Christstollen zu Beginn seiner Zeit des Entstehens eher ein mageres Fastengebäck, als ein reichhaltig - mit vielen Früchten und ordentlich Zucker - verziertes Festgebäck war. Maßgeblich an der Schaffung der heutigen Form des Christstollens war der sächsische Hofbäcker beteiligt. Er hatte die Idee aus dem eher langweilig und sehr fade schmeckenden Fastengebäck ein wohlschmeckendes Festgebäck für die Weihnachtstafel zu kreieren. Die Grundlage dafür lieferte ihm das in die Geschichte als so genannter Butterbrief eingegangene Schreiben von Papst Innozenz VII. In diesem Brief gestattete es der Papst nach mehrmaligen Anfragen den sächsischen Herrschern entgegen der strengen Fastenregeln für die Herstellung der Christstollen auch Butter und Milch zu verwenden.

Auf Grund der damals sehr strengen Auslegung des adventlichen Fastengebotes waren diese Zutaten für Gebäcke innerhalb des Advents- und Fastenzeit eigentlich verboten. Allerdings gab es diesen "Freibrief" zum Backen der bis heute ungemein beliebten Christstollen nicht umsonst. Mit Erhalt des "Butterbriefes" und dem Backen der reichverzierten Christstollen verpflichtete sich das sächsische Herrscherhaus dazu unter anderem den Bau der Freiberger Doms mit zu finanzieren. Aus heutiger Sicht können wir uns bei Papst Innozenz für diesen "Butterbrief" nur bedanken: Wir haben ein köstliches Gebäck erhalten, was uns die Advents- und Weihnachtszeit versüßt und dürfen obendrein bis heute an einem phantastischen sakralen Bauwerk im sächsischen Freiberg erfreuen.

Die berühmten Dresdner Christstollen kamen im übrigen erst wesentlich später ins Spiel; circa 1474. Die Liebe der Sachsen zu ihrem Strietzl (so wird der Christstollen dort genannt) ist so groß, dass August der Starke im Jahr 1730 einen Riesenstollen mit 1,8t Gewicht backen ließ um ihn anschließend in 24.000 Portionen aufteilen zu lassen.