Vom Christbrot zum Christstollen

Zur Weihnachtszeit werden Traditionen gerne gepflegt. Weihnachtsbräuche vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit; sie erinnern uns an die geheimnisvolle Vorweihnachtszeit unserer Kindheit. Der Christstollen ist für uns ein Symbol der Adventszeit; sobald er in den Regalen der Geschäfte und Bäckereien auftaucht, denken wir an gemütliche Winternachmittage in der warmen Stube.

Form und Herkunft des Stollens

Die Form des heute so köstlichen und vielfältigen Gebäcks entspricht noch dem Christbrot, das erstmals im Jahre 1329 urkundlich auftaucht. Der dick mit Zucker gepuderte Stollen soll an das in weiße Windeln gewickelte Christkind erinnern. Wäre der Christstollen gegenüber seinen Anfängen nicht wesentlich verbessert worden, würde er heute kaum so berühmt sein. War er früher ein fades Gebäck für die Adventsfastenzeit, das hauptsächlich aus Mehl, Wasser, Öl und Hefe bestand, so schmecken die feinen Christstollen heutiger Zeit nach Butter und enthalten eine Menge an Früchten und Nüssen. Früher durften zur Fastenzeit keine Milchprodukte verzehrt werden. Somit durfte der Stollen als Fastengebäck im Advent auch keine Butter enthalten. Das Butterverbot wurde erst Ende des 15. Jahrhunderts durch den Butterbrief von Papst Innozenz den VIII aufgehoben. Allerdings musste Buße gezahlt werden; der sogenannte Butterpfennig wurde für den Bau und Erhalt von Kirchen und Brücken verwendet.

Entwicklung der Weihnachtsstollen

Mit der Zeit entwickelten sich die faden Stollen zu wohlschmeckenden Weihnachtsgebäcken. Vor allem durch den steigenden Wohlstand im 20. Jahrhundert entstanden die uns bekannten und geschätzten feinen reichhaltigen Christstollen. Neben dem geschützten Echten Dresdner Stollen gibt es zahlreiche regionale Spezialitäten in vielen Varianten. Bei der Auswahl ist für jeden Geschmack etwas dabei. Regelungen sichern die hohe Qualität der Christstollen. Ein Mandelstollen besteht zu mindestens 25% im Verhältnis zum Mehlgewicht aus Mandeln und ein Butterstollen zu wenigstens 40% im Verhältnis zum Mehlgewicht aus Butter. Ein Marzipanstollen enthält mindestens fünf Prozent an Marzipan im Verhältnis zum Gesamtgewicht. Für Menschen, die weder Rosinen noch Orangeat und Zitronat mögen, gibt es z.B. auch Schokoladen-Marzipan-Stollen und Mohnstollen. Der berühmte Echte Dresdner Stollen darf nur in der näheren Umgebung von Dresden gebacken werden. Er wird auch Striezel genannt und ist Namensgeber für den ältesten Weihnachtsmarkt in Deutschland, den Dresdner Striezelmarkt.

Zum Heiligen Fest wurden in Sachsen seit 1560 dem Landesherrn zwei riesige Weihnachtsstollen übergeben. 1730 forderte August der Starke einen Stollen von 1800 Kilogramm an, der für 24000 Gäste reichen sollte. Dies zum Anlass nehmend wird in Dresden am Samstag vor dem zweiten Advent das Stollenfest gefeiert. Mittlerweile werden in vielen Städten in der Adventszeit Riesen-Christstollen gebacken, ausgestellt und für einen guten Zweck verkauft.